Die neurologischen Aspekte hinter einer Verhaltensänderung💡

Dein Gehirn wird buchstäblich durch dein Leben geformt. Je öfter du etwas tust und je mehr diese Handlung zur Routine wird, desto mehr verankert sich dieser Ablauf in deinem Gehirn. Diese adaptive Fähigkeit des Gehirns bezeichnet man als Neuroplastizität. Diese Eigenschaft kann dir zum Vor- oder Nachteil werden.

Neuroplastizität

Neuroplastizität bezeichnet die Kompetenz des Gehirns, seine physische Struktur und Funktion wegen Erlebnissen, Gefühlen, Handlungen und sogar Gedanken anzupassen. Früher nahm man an, dass das Gehirn, abgesehen von Entwicklungsphasen in der Kindheit, so ist, wie es ist. Heutzutage ist bekannt, dass diese Annahme falsch ist. Das Gehirn kann sich bis zum letzten Tage des Lebens verändern.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte die offizielle wissenschaftliche Bestätigung der Neuroplastizität. Sie wirkt sich auf alle Lebensbereiche eines Menschen aus, von Kultur und Bildung über die Medizin bis zu Glück und sozialen Beziehungen. Durch diese Anpassungsfähigkeit ist das Gehirn einerseits sehr resistent, andererseits aber auch sehr anfällig für versteckte innere und äußere Einflüssen.

Gewohnheiten manifestieren sich in deinem Gehirn

Das Gehirn entwickelt neuronale Verknüpfungen anhand der Dinge, die sich in deinem Leben wiederholen, egal ob das gute oder schlechte Dinge sind. Beispiele sind an den Fingernägeln zu kauen,, sich über Kleinigkeiten Sorgen zu machen, ins Fitnessstudio zu gehen oder zu meditieren. Dein übliches Verhalten, deine geistige Verfassung und deine Reaktionen werden zu neuronalen Merkmalen

Wenn du eine Gewohnheit ablegen oder dir ein Verhalten angewöhnen willst, bedarf es neuroplastischer Veränderungen in deinem Gehirn. Der Grund, warum man etwas tun will, liegt oft darin, dass das plastische Gehirn für bestimmte Erfahrungen und Substanzen sensibilisiert wurde. Wenn man ein Bedürfnis befriedigt, wird Dopamin, ein Neurotransmitter, der an unser Wohlbefinden geknüpft ist, ausgeschüttet. Das gleiche Maß an Dopamin, das einem Spaß bereitet, ist ein wichtiger Teil neuroplastischer Veränderungen. Dopamin unterstützt den Aufbau neuronaler Verbindungen, die eine Gewohnheit verstärken.

Wenn du etwas zum ersten Mal tust, wird Dopamin nach dem Ereignis freigesetzt. Wenn du es dann wiederholst, wird das Dopamin immer früher ausgeschüttet, bis allein die Vorstellung davon einen Schub auslöst. Das im Vorhinein freigesetzte Dopamin veranlasst einen dazu, das Verhalten in der Zukunft auszuführen.

Jedes Mal, wenn du eine Handlung wiederholst, wird ein bestimmtes neuronales Muster bedient und verstärkt. Es ist bekannt, dass sich Neuronen verbinden, die die gleiche Funktion haben. Da dein Gehirn effizient ist, wählt es stets den Weg des geringsten Widerstands, was zu einer Gewohnheit oder sogar zu einer Sucht führen kann.

Eine Verhaltensänderung bedeutet eine Veränderung des Gehirns

Du musst dein Gehirn ändern, um eine schlechte Angewohnheit abzulegen. Wenn du dein Verhalten verändern willst, solltest du dich mit deinem Verstand und deinem Gehirn anfreunden und sie für dich arbeiten lassen. Somit wirst du mehr Erfolge bei Verhaltensänderungen und in deinem gesamten Leben erzielen. Dein Verhalten verändert sich, indem sich immer neue Wege in deinem Gehirn bilden.

Wenn du den ersten Versuch unternimmst, ein neues Verhalten zu etablieren, wird der präfrontale Kortex, also der denkende Teil des Gehirns beansprucht, da der Prozess nur durch Gedanken, Absicht und bewusste Anstrengung funktioniert. Wenn du diese Handlung ein paar Mal durchgeführt hast, richtet das Gehirn neue Verknüpfungen ein, wodurch die Aktivität immer weniger Anstrengung benötigt, da man sich auf das Muster verlassen kann.

Du kennst wahrscheinlich die verbreitete Annahme, dass man 21 Tage braucht, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Diese Aussage entspricht aber nicht der Wahrheit, denn es hängt davon ab, wie du an die Sache heran gehst. Es ist möglich, dass der Prozess drei Wochen dauert, doch er kann sich auch über mehrere Monate ziehen. Das Verhältnis zwischen der Etablierung eines neuen Verhaltens und einem automatischen Handeln lässt sich durch das Erklimmen eines Berges verbildlichen, der zunächst sehr steil ist und dann flacher wird. Zunächst erzielt man große Fortschritte, doch irgendwann werden die Schritte immer kleiner. 

So richtest du eine neue Gewohnheit ein:

Deine Verhaltensmuster zu ändern ist nicht leicht, doch mit Hilfe deines Gehirns kannst du es realisieren. Das musst du dafür tun:

Reduziere deinen Stress

Der Grund für schlechte Angewohnheiten ist in der Regel ein Mechanismus zur Bewältigung. Wenn man diese Mechanismen ignoriert, erhöht sich der eigene Stress und maximiert sich dadurch, dass man nicht das gewohnte Ventil nutzen kann. Du musst dir alternative Strategien zur Stressbewältigung suchen, zum Beispiel Yoga, Achtsamkeit, Meditation, Schlaf, Dankbarkeit oder soziale Interaktion.

Erkenne deine Auslöser

Setze dich damit auseinander, was Dopaminfreisetzungen bereits vor der Aktion auslöst, sodass du zu einer Handlung motiviert wirst. Meide diese Dinge. Falls es möglich ist, solltest du den Auslöser aus deinem Leben streichen. Infolgedessen kann es sein, dass du dein Umfeld nach und nach umkrempelst. Du musst dafür sorgen, dass deine Umgebung dir nicht im Weg steht, wenn du dir etwas angewöhnen oder eine Verhaltensweise ablegen willst.

Erhöhe dein Serotonin

Mit ausreichend Serotonin kann dein präfrontaler Kortex besser funktionieren, was die Willenskraft stärkt. Das Serotonin kann mittels einiger natürlicher Methoden erhöhen, z. B. Sport, Sonnenlicht, Massage und glückliche Erinnerungen.

Beanspruche dein denkendes Gehirn

Wenn du deinen Verstand aktiv nutzt, wird das dem präfrontalen Kortex bei der Auflösung von Verhaltensmuster helfen. Beschäftige dich aktiv damit, wie sich dein Leben durch Verhaltensänderungen verbessern kann. Motiviere dich mit Bestärkungen, positiven Selbstgesprächen und lebendigen Vorstellungen. Es ist erwiesen, dass positive Selbstreflexion ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung neuer Gewohnheiten ist.

Freue dich ĂĽber kleine Fortschritte

Wenn du deinen Fokus auf Erfolge und Errungenschaften legst, hält das die Dopaminproduktion hoch, wodurch du motiviert bleiben kannst. Es ist wissenschaftlich belegt, dass es effektiver ist, sich auf Etappenziele zu konzentrieren, statt immer das langfristige Ziel vor Augen zu haben.

Verbringe Zeit mit den richtigen Menschen

Durch Forschungen konnte man erkennen, dass Gefühle und Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen zu einem gewissen Maße ansteckend sind. Man erkannte das zunächst bei Fettleibigkeit, dann bei Einsamkeit und schließlich bei Glück. Egal, woran du arbeitest, es wird dir leichter fallen, wenn in deinem Umfeld Menschen sind, die dich bestärken und unterstützen.

Sei wachsam

Um deinen präfrontalen Kortex zu aktivieren, solltest du bewusst aufmerksam sein, was dir dabei hilft, dein Verhalten zu verändern. Auch dein Gehirn hat seine Grenzen. Wenn du zu abgelenkt oder gestresst bist, fällt dein Gehirn in alte Muster zurück, sodass du wieder ein halbes Kilo Eis ist. Jedes Mal, wenn du dem Drang widerstehst, dein gewohntes Verhalten auszuüben, verblasst das entsprechende Muster in deinem Gehirn.

Fang klein an

Wenn du dein Verhalten ändern willst, brauchst du Serotonin nutzende Willenskraft. Entschlossenheit ist wie ein Muskel, der ermüdet und sich erschöpft. Zu Beginn solltest du Kleinigkeiten ändern, die keine große mentale Anstrengung erfordern. Statt deine Ernährung vollständig umzuwerfen, solltest du dich zunächst ein oder zwei Lebensmitteln widmen. Wenn sich die erste Änderung für eine Woche manifestiert hat, kannst du zur nächsten Veränderung übergehen.

Danke fĂĽrs Lesen und bleib gesund!

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