Wodurch unterscheiden sich Spiritualität und Religion?

Du hast es wahrscheinlich schon häufig erlebt, dass Leute ihre Art zu glauben als “spirituell, aber nicht religiös” beschreiben. Was aber bedeutet das eigentlich?

Die Begriffe Religion und Spiritualität werden oft synonym verwendet, obwohl sie vollkommen unterschiedlich sind.

Wo liegt nun also der Unterschied zwischen den beiden Begriffen? In diesem Artikel sollen beide erklärt und definiert werden, um dann zu erläutern, inwiefern sie sich voneinander unterscheiden.

Definition von Religion

Religion steht im Regelfall im Zusammenhang mit einer Institution, in der es strukturierte Glaubenssysteme und organisierte Praktiken gibt. Die Überzeugungen beruhen auf einem dokumentierten Glaubensbekenntnis oder auf überlieferten kulturellen Praktiken. Sie sind oft transzendentaler Art und werden von Mitgliedern an Konvertierte weitergegeben.

Innerhalb jeder Religion gibt es führende Ämter, die von Fachleuten ausgefüllt werden. Die Führungspersönlichkeiten sind oft für bestimmte Rituale verantwortlich, die stellvertretend für die Grundüberzeugungen praktiziert werden. Diese Überzeugungen sind Leitlinien für die eigene Lebensführung.

Religionen bilden Gruppen, die die gleichen Überzeugungen teilen und in denen sich die Einzelpersonen in hohem Maße unterstützen. Die Mitglieder führen Praktiken durch, indem sie Rituale abhalten und die Grundüberzeugungen befolgen. Oft sind auch bestimmte Vorschriften bezüglich der Bekleidung gegeben, insbesondere für Amtspersonen. Des Weiteren gibt es ein höheres Wesen, das einen ethischen und moralischen Leitfaden vorgibt, gemäß dem gehandelt werden soll.

Religiöse Personen sehen sich dazu verpflichtet, vorgegebene Richtlinien zu befolgen. Dabei nimmt man an Ritualen wie zum Beispiel dem Besuch von Gottesdiensten teil.

Definition von Spiritualität

Das Zentrum der Spiritualität bilden die Seele und das innere Selbst. Wenn man spirituell ist, legt man Wert auf die subjektiven Überzeugungen und Praktiken und sucht nach dem Sinn des Lebens. Die individuelle Spiritualität kann sich während des Lebens wandeln und sich durch persönliche Erfahrungen verändern. Das Ziel der Spiritualität ist es, die inneren Kräfte eines Menschen zu erkennen, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen und mit einer höheren Kraft in Kontakt zu treten.

Spiritualität ist ein universelles, personifiziertes Erleben, bei der das Empfinden von der jeweiligen Person abhängt. Spirituelle Erlebnisse können als transzendent oder heilig bezeichnet werden oder auch als ein Gefühl tiefer Lebendigkeit und Zusammengehörigkeit oder als reine Dankbarkeit. Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe und Spiritualität schließen sich nicht aus, sondern lassen sich miteinander vereinbaren.

Während manche ihre Spiritualität eng mit einer Religion verbunden sehen, haben andere eine private Beziehung zu einer höheren Macht. Wieder andere suchen den Sinn des Lebens in der Kunst oder in der Natur.

Wenn es zu Diskussionen  über Religion und Spiritualität kommt, muss festgehalten werden, dass beides nicht per se gut oder schlecht ist. Religionen hat ein klar definiertes ethisches Credo, während Spiritualität schlechter definieren lässt, auch da sie umfassender und abstrakter ist. Beide Richtungen helfen Menschen gleichermaßen ein zufriedenes, erfülltes Leben zu führen.

Die Unterschiede zwischen Spiritualität und Religion

1. Entwicklung der Überzeugungen

Der Glaube einer spirituellen Person entwickelt sich durch individuelle Erfahrungen und durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Spiritualität. Im Gegensatz dazu ist in einer Religion das Glaubenssystem bereits vorgegeben. Ideologische Veränderungen werden durch stellvertretende Autoritäten festgelegt oder eingeleitet.

Somit fordern Religionen Gehorsam von ihren Anhängern, indem sie die Lehren und Regeln von religiösen Führern dokumentieren. In Religionen ist es weniger erwünscht, dass Menschen ihre eigenen Überzeugungen entwickeln, sondern mehr, dass Menschen den gegebenen Strukturen folgen, ohne zu viel in Frage zu stellen.

Spiritualität wiederum bestärkt das Vertrauen auf den inneren Kompass, den man als Leitfaden für ein gutes Leben nutzen soll. Menschen sollen sich dabei von rigiden Hierarchien lösen, um ihren eigenen Weg gehen zu können. Ein Mensch, der Spiritualität praktiziert kann somit seine Überzeugungen stetig ändern, da er sich nur vor sich selbst verantworten muss. Nichts ist unabänderbar, deshalb kann die Definition von “richtig” und “falsch” variieren.

2. Kollektive vs. individuelle Überzeugungen

Spiritualität ist eine einzelne, subjektive Erfahrung von etwas Göttlichem, während es in der Religion um ein Kollektiv geht, das durch einen gültigen Glauben und Überzeugungen bezüglich etwas Göttlichem zusammengeführt werden soll. Religionen wollen Überzeugungen, Einstellungen, Handlungen und schließlich den Charakter eines menschen formen, indem der Einhaltung von Regeln große Wichtigkeit beigemessen wird. Menschen einer Glaubensrichtung werden miteinander verbunden, da diese ähnliche Eigenschaften und Ziele haben. Spiritualität wiederum beschäftigt sich mehr mit Einzelpersonen und die individuelle Seel dieser Person.

Weltweit gibt es zahlreiche Religionen, von denen die meisten eines gemeinsam haben: Sie messen ihrem Glauben einen Wahrheitsanspruch bei. Spirituelle Menschen können sich bei ihrem Glauben hingegen bei jeder Religion bedienen und die einzelnen Aspekte zu einem eigenen Bild zusammensetzen. Man kann also spirituell und religiös zugleich sein, wenn die eigenen Überzeugungen denen einer bestimmten Religion entsprechen. Die meisten spirituellen Menschen glauben jedoch, dass für alle Menschen das Gleiche gilt.

Im Fokus der Spiritualität stehen keine Details der Geschichte, sondern die Qualität der Kernaussage. Im Christentum nehmen zum Beispiel die Geschichte Mose und die zehn Gebote eine zentrale Rolle ein, während spirituelle Menschen auch weniger deutlichen Botschaften mehr Beachtung schenken können, wie zum Beispiel Dankbarkeit oder Ehrlichkeit.

Spiritualität besagt in der Regel, dass alle Menschen gleich sind und es im Endeffekt keine Grenzen, Rassen oder kulturelle Trennungen gibt. Im Detail weichen die spirituellen Überzeugungen dann mitunter stark voneinander ab. Die Menschheit wird als großes Ganzes gesehen, in dessen Zentrum die Liebe steht. Trotz aller denkbaren ideologischen Unterschiede sind alle Menschen gleich – sie drücken sich nur anders aus. Die Gleichheit des inneren Wesens bedeutet, dass Unterschiede auf oberflächlicher Ebene stattfinden. Durch dieses Verständnis sind Menschen dazu fähig, sich inspirieren zu lassen, sich zu umarmen und einen gemeinsamen Weg zur Erleuchtung zu beschreiten.

3. Der Ursprung der Überzeugungen

Bei spirituellen Menschen liegt die Wurzel ihres Glauben in den eigenen Erfahrungen, die oft auf Versuch und Irrtum beruhen. Dadurch können Menschen ihre eigene Wahrheit entdecken, ohne das eigene Vorstellungsvermögen zu begrenzen. Ein religiöser Mensch bedient sich nicht der eigenen Erfahrungen, sondern derer eines religiösen Gründers.

In der Spiritualität schafft sich jeder Mensch seinen eigenen Pfad zur Erleuchtung. Das Finden des eigenen Ichs kennt dabei keine Grenzen. Menschen lernen dadurch auf ihr Herz und ihr Bauchgefühl zu hören. Kurz gesagt ist Spiritualität die Kompetenz zu erkennen, dass jeder Mensch mehr ist, als nur der gegebene Körper. Viel wichtiger ist die Seele, deren Potenzial unendlich ist. Jeder Mensch ist sozusagen ein kleiner Gott – eine Manifestation der göttlichen Existenz.

Um den Unterschied zwischen einem religiösen und einem spirituellen Menschen zu verdeutlichen, muss man darauf eingehen, dass religiöse Menschen nach äußerer Führung schauen, während spirituelle Menschen in sich selbst nach einem moralischen Konzept suchen.

Spirituelle Personen können sich über ihre volle Lebensspanne an Entwicklungen und Neuheiten anpassen. Ihre Überzeugungen sind flexibel. Religion legt großen Wert auf den Glauben und den Inhalt der Überzeugungen bzw. wie diese praktiziert werden. Spiritualität fokussiert sich dafür mehr auf das Sein, auf den Prozess der Einstimmung auf das eigene innere Selbst.

4. Spiritualität unterliegt keinen Regeln

Eine spirituelle Person folgt keinen vorgeschriebenen Regeln oder Ideologien, sondern entwickelt eigene Grundsätze. Diese Entwicklung ist oft sehr privat und sehr persönlich, sodass die Menschen auf ihr Gefühl vertrauen und Dinge innerhalb ihres eigenen Interesses tun.

Es gibt zwar spirituelle Praktiken und Techniken, die Menschen auf ihrem Findungsprozess unterstützen sollen, doch diese haben keine feste strukturelle Verankerung. Sie sind als Mittel zu verstehen, die von Menschen, die auf einer spirituellen Suche sind, genutzt werden können.

Religiöse Personen hingegen nehmen die vermittelten Wahrheiten, die dokumentiert sind, hin. Das konsequente Festhalten an Überzeugungen ist oft an Belohnung bzw. Bestrafung geknüpft. Bei der Spiritualität gibt es nur eine Belohnung für den inneren Frieden.

Die Angst vor Strafen ist ein wichtiges Element in Religionen. Vor allem die Furcht vor dem Leben nach dem Tod ist groß, denn für Sünder, die ihren Gott nicht zufrieden stellen können, stehen Qualen in der Hülle bereit.

In der Spiritualität werden Menschen dazu ermutigt, sich auf positive Dinge zu fokussieren und nur auf der Grundlage der Liebe zu handeln. Jemand spirituelles wird gemäß seiner Überzeugungen trotz möglicher Konsequenzen handeln.

In der Spiritualität gibt es zwar keine Strafen für die Missachtung von Regeln, doch das Verständnis von Karma ist ein vergleichbares Prinzip. Karma beschäftigt sich mit Ursache und Wirkung. Die Handlungen eines Menschen haben direkten Einfluss auf die Zukunft, sodass jemand, der mit guten Absichten handelt, in der Zukunft Glück haben wird. Jemand der boshaft handelt, wird hingegen in der Zukunft Leid erfahren.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du spirituell oder religiös bist, solltest du dir die Frage stellen, wessen Regeln du befolgst. Suchst du Halt in kirchlichen Ritualen, wenn dein Glaube schwach wird? Verlässt du dich in deinem Glauben auf die Leitlinien auf eine bestimmte Institution oder vertraust du auf deine eigene Einschätzung? Diese Fragen sollten dir helfen, um herauszufinden, ob du spirituell oder religiös bist.

Egal ob man höhere Mächte auf einer Kirchenbank oder auf einem Berggipfel sucht, bei der Suche werden Glücksgefühle, die Dankbarkeit für das eigene Leben und der innere Frieden steigen. Religion und Spiritualität sind zwar nicht das gleiche, doch auch nicht völlig unterschiedlich. In der Religion sind Fragen wie “Was ist richtig und falsch?” oder “Was ist wahr?” von Bedeutung, in der Spiritualität ist die Frage “Wo finde ich den Sinn des Lebens und was sind meine wahren Werte?” von großer Wichtigkeit.

Beides kann sich auch überschneiden, und zwar in den individuellen Erfahrungen eines jeden, die sich auf seine Gedanken, Emotionen und Handlungen auswirken.

Bist du eher spirituell oder religiös?

Wenn du versuchst, deinem Leben einen Sinn zu geben, kannst du es zu Beginn mit einer Einstellung der Dankbarkeit versuchen.

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